Wendland

An einem schönen sonnigen Augusttag im Jahr 2001 starteten wir mit einem 4-sitzigen Kleinflugzeug in Weitsche und flogen eine Runde über den nordöstlichen Teil des Wendlandes. Über Tobringen, die Nemitzer Heide, Gorleben erreichten wir die Elbe, der wir bis Dannenberg folgten. Dann ging es wieder nach Süden zum Ausgangspunkt.

Dieses kleine Dorf gehört zur Samtgemeinde Lüchow und liegt einsam zwischen den Feldern. Ansatzweise erkennt man die frühere Rundlingsform, bei der die Giebel der Höfe auf den zentralen Platz ausgerichtet sind.

Ende August blüht die Heide. Aus diesem Anlass findet gerade in der Nemitzer Heide das Heideblütenfest statt. Die Heideflächen erkennt man aus der Luft an dem violetten Schimmer, der durch die Blüten hervorgerufen wird. Auf dem Heidschnucken-Hof wird gefeiert, sonst ist es dort nicht so bunt. Mit Musik und Tanz wird die bisherige Heidekönigin verabschiedet und die neue in ihr Amt eingeführt.

Hier nun die wahrscheinlich bekannteste Gegend des Wendlandes: das atomare Zwischenlager bei Gorleben. Es liegt mitten im Wald, einige Kilometer südlich des direkt an der Elbe gelegenen, namengebenden Ortes. Den Ort und den Fluss erkennt man im Hintergrund.

Links im Bild in der langgestreckten Halle befindet sich das Zwischenlager. Darin stehen die Castorbehälter. Links davon mit dem Schornstein die Pilotkonditionierungsanlage. Dieses Wortungetüm bedeutet, dass hier Versuche angestellt werden, den verbrauchten Kernbrennstoff* so zu versiegeln (konditionieren), dass er sehr lange stabil bleibt und nicht ins Grundwasser gelangen kann. Er wird dann in so genannte Pollux-Behälter gefüllt.

Rechts erkennt man zwei Fördertürme. Diese führen in eine Schachtanlage in einem Salzstock, den man früher auf seine Eignung als Endlager für die Pollux-Behälter untersucht hat. Inzwischen wurden die Untersuchungen eingestellt. Niemand weiss nun, wo die verbrauchten Kernbrennstäbe endgültig hin sollen. Und niemand macht sich Gedanken darüber.

* Ich verwende absichtlich nicht den Begriff "Atommüll", weil wir ja in den letzten Jahren alle gelernt haben, den politisch korrekteren Begriff "Wertstoff" an Stelle von "Müll" zu verwenden. Vielleicht bringt es die Technik ja eines Tages zu Stande, auch die Reste aus den Kernkraftwerken wieder zu verwenden.

Der rechte dieser beiden Sendemasten ist das höchste Bauwerk in Deutschland: er ist 384 m hoch. Diese Masten dienten früher der Sicherstellung eines direkten Funkverkehrs mit Berlin. Die Ultrakurzwellen benötigen eine gerade "Sichtlinie" zwischen Sender und Empfänger. Der östlichste Teil Niedersachsens war diejenige Gegend im Westen, welche die geringste Entfernung zu Berlin hatte. Somit reichten die knapp 400 m Turmhöhe, um die Erdkrümmung zu überwinden.

Die Elbe in ihrem breiten Auengürtel, der regelmäßig im Frühjahr vom Hochwasser überflutet wird. Im Herbst ziehen hier unzählige Vögel auf ihrem Weg in die Winterquartiere durch, im Frühjahr besuchen sie die Elbe auf dem Rückweg. Hier können auch scheue Wildgänse ruhige Rastplätze finden.

Der Ort in der Bildmitte ist Vietze.

Dömitz in Mecklenburg-Vorpommern ist eine alte Festungsstadt. Am linken Ortsrand erkennt man die Festungsanlagen, heute Museum. Zwei bedeutende Brücken querten hier die Elbe, beide wurden am Ende des zweiten Weltkrieges zerstört. Zu den Zeiten der deutschen Teilung blieb dieser Zustand erhalten. Heute ist immerhin die Straßenbrücke wieder vorhanden, sie musste aber neu gebaut werden (nächstes Bild).

Die Reste der Eisenbahnbrücke aus dem 19. Jhd. reichen heute noch weit in das Überschwemmungsgebiet hinein, aber die Strompfeiler und -bögen sind längst beseitigt. Die Eisenbahnlinie, früher bedeutende Verbindung zwischen Bremen und Ostsee, wird auf absehbare Zeit nicht wieder erstehen.

Auf der neuen Elbbrücke quert die Bundesstraße 191 zwischen Dannenberg und Dömitz den Strom. Die nächten Brücken stehen mindestens 60 km weiter westlich und östlich. Damit wird die B 191 zu einer wichtigen Verbindung zwischen West und Ost.

Am Schattenwurf erkennt man den eleganten Bogenträger der Strombrücke, auf beiden Seiten sind lange Vorland-Balkenbrücken angebaut, die bis zu den Deichen führen und die trockene Querung auch bei extremen Hochwasserlagen sicher stellen.

Die Innenstadt von Dannenberg mit dem Waldemarturm. Darin war früher der dänische Erbprinz Waldemar als Geisel untergebracht, heute ist aus dem Hochsicherheitstrakt ein harmloses Heimatmuseum geworden. Das Fachwerkstädtchen ist hübsch anzuschauen und bietet auch etliche Geschäfte zum Shoppen.

Auf dem Rückweg nach Weitsche überfliegen wir das Dorf Langenhorst, ganz malerisch an der alten Jeetzel gelegen. Während die Jeetzel selbst, die bei Hitzacker in die Elbe mündet, als Schutzmassnahme gegen Überschwemmungen kanalisiert und eingedeicht wurde, ist die alte Jeetzel als abgezweigtes Flüsschen zwischen Lüchow und Lüggau (bei Dannenberg) einigermaßen naturnah erhalten.