Bettinas Internet-Galerie

Zu meinen Kunstwerken

Seit jeher fühle ich das Bedürfnis, mich mit Stiften oder Farben zu artikulieren. Den meisten Kindern geht dies auch so, aber später verlieren sie diese Fähigkeit. Auch während der Zeit meines Literaturstudiums, als ich andere Aufgaben hatte und das Geld knapp war, fand ich immer Möglichkeiten, mich bildnerisch auszudrücken. Scherenschnitte konnte man in einem kleinen Studentenzimmer immer machen. Mangels Farben habe ich mit Nescafé, den ich sehr stark anrührte, gemalt und gezeichnet; die Farben haben sich übrigens in mehr als 25 Jahren nicht sichtbar verändert.

Anschließend habe ich während meiner Verlagstätigkeit als Ausgleich Landschaftsbilder in Öl gemalt, bin aber bald auf Acrylfarben umgestiegen, da mich der lange Trocknungsprozess gehindert hat: nach Wochen war ich nicht mehr in der Lage, mich in die Stimmung des Bildes so hineinzuversetzen, das ich es zufriedenstellend beenden konnte.

Seit ich Hausfrau bin und die Kunst zu meinem Metier gemacht habe, kann ich intensiver arbeiten und dank der freien Arbeitseinteilung die schöpferischen Phasen nutzen, meine Experimentierfreude ausleben. So sind dann auch viele Arbeiten in Mischtechniken entstanden, manches Material hat sich nicht wie gewünscht verhalten und so habe ich manches Lehrgeld gezahlt. Plakafarben wurden, wenn sie zu dick aufgetragen waren, rissig, Farben platzten ab, wenn ich es mit dem Firnissen zu eilig hatte, und dergleichen mehr. Meine Experimentierfreude ist geblieben und äußert sich unter anderem darin, daß ich mich immer neuen Aufgaben gestellt habe. Jedes neue Aufgabengebiet sehe ich als Bereicherung: es schult bestimmte Fertigkeiten und zwingt mich dazu, aus einem anderen Blickwinkel zu schauen. Wie die Welt und das Leben in ständigem Wandel begriffen sind, ist die Kunst davon nicht ausgenommen. Sich neuen Aufgaben zu stellen bedeutet am Lauf des Lebens teilzuhaben; Kunst ist immer ein Zeitdokument. Woher sonst das Interesse an der alten Kunst? Wer käme heute auf die Idee, wie Caravaggio zu malen ohne nicht zumindest gewisse Änderungen, etwa Verfremdungseffekte, vorzunehmen?

Scherenschnitte nutze ich dazu, klaren Blick zu bekommen und in mich zu gehen, bei meinem malerischen und zeichnerischen Schaffen lebe ich viel mehr Emotionen aus, bei meinen Skulpturen kann ich beides zugleich: ich kann mit den Farben spielen, die ich nebeneinander setze, aber ich bewege mich immer in geordneten Formen. Ich hoffe, daß diese Art zu arbeiten meinen Blick immer wieder schärfen wird, sich keine Routine einschleifen wird. Ich hoffe, daß meine Entwicklung nie zu Ende sein wird und wenn doch, dann werde ich meine Farben verschenken.

Der Farbe, dem zentralen Element in meinen Arbeiten, möchte ich noch einen Abschnitt widmen. Nur die Scherenschnitte bilden eine Ausnahme. Die Welt um uns herum ist voller Leben, voller Farben; und meine Erinnerungen, selbst wenn sie noch so weit zurückliegen und unscharf geworden sind, haben eine farbige Grundstimmung. Wenn ich die Augen schließe, sehe ich Farben. Selbst Zahlen, Buchstaben und Wochentage verbinde ich seit ich zurückdenken kann mit bestimmten Farben. Seit einiger Zeit weiß ich auch, daß dieses Phänomen nicht jedem vergönnt ist und als Synästesie bezeichnet wird. So nimmt es nicht wunder, daß sich in meinen Arbeiten alles der Farbe unterzuordnen hat.

Kunst ist nicht Selbstzweck, sondern Kommunikation. Der Künstler spricht nicht mit Worten, er spricht mit Farben, Formen und Linien. Der Betrachter ist gefordert, sich darauf einzulassen, das Kunstwerk sprechen zu lassen. Ich wünsche mir, daß meine Arbeiten den Betrachter erfreuen, ihn aber auch aufhorchen lassen, genau hinzusehen, seine Phantasie beflügeln und ihn in ruhigen Stunden zur Meditation anregen.

Biographie



Home Skulpturen Bilder Zeichnungen Scherenschnitte Bettina


Künstlerin:
Bettina Strauss
Tobringen 4
D-29494 Trebel
Germany
E-Mail: bettina@bettina-strauss.de

Last Updated: 03.04.2012